Integrationscafé im Haus Heimberg erfolgreich gestartet
Im Seniorenzentzrum Haus Heimberg ist jetzt das erste Integrationcafé erfolgreich gestartet. 19 Flüchtlinge und Asylbewerber trafen sich zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen mit den Senioren. Trotz kleiner Sprachprobleme war eine Verständiguzng problemlos möglich und bei manchen Senioren wurden erinnerungen an eigene Fluchterfahrungen wach.
Bedrängt,
bedroht, verfolgt und schließlich vertrieben. Mehr als 60 Millionen Menschen
sind gerade weltweit auf der Flucht. Sie fliehen aus Bürgerkriegsländern wie
Syrien, sie flüchten vor Terrormilizen wie dem IS (Islamischer Staat), Boko
Haram und Al-Shabaab, die im Irak beziehungsweise in Nigeria und Somalia immer
mehr Macht gewinnen. Unter den Flüchtlingen
sind viele Kinder und Jugendliche, die in Europa ein neues, sicheres Leben
beginnen wollen. Doch dazu braucht es nicht nur eine Unterkunft und Kenntnisse
der jeweiligen Landessprache. Es braucht vor allen Dingen herzlichen Anschluss
in der Gesellschaft. "Raus aus der Anonymität rein ins persönliche Miteinander"
ist daher das Motto des "Integrationscafés", das gemeinsam vom Seniorenzentrum
Haus Heimberg und dem Helferkreis für Flüchtlinge im Main-Tauber-Kreis ins
Leben gerufen wurde. Beim ersten Treffen sind die Senioren mit 19 jungen
Flüchtlingen und Asylbewerbern, die die Gewerbliche Schule Tauberbischofsheim
besuchen, zu herzlichen Gesprächen zusammengekommen. Von Berührungsängsten oder
Kulturschock keine Spur.
"Ich
bin etwas sprachlos, dass so viele gekommen sind", eröffnet Heim- und
Pflegedienstleiterin Silvia Müller das Integrationscafé. "Hier im Haus Heimberg
treffen die unterschiedlichsten Kulturen, Religionen, Nationalitäten und
Alterskreise aufeinander. Und mit der Zeit wird alles zusammenwachsen." Auch
der stellvertretende Hausobere der Gesundheitsholding Tauberfranken, Michael
Raditsch begrüßte die jungen Leute herzlich: "Wir freuen uns alle, Sie
kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören: Was Sie hergeführt hat, wie Sie sich
im Main-Tauber-Kreis fühlen, und was Sie sich für die Zukunft wünschen und
vorhaben."
Was
folgte, was eine Vorstellungsrunde, bei der zunächst die 15- bis 19-jährigen
Schülerinnen und Schüler aus zwei VABO-Klassen (Vorqualifizierung Arbeit/Beruf
ohne Deutschkenntnisse) zu Wort kamen. Dann folgten die Heimbewohnerinnen und
-bewohner. Einige davon berichteten selbst aus ihrer Zeit als Vertriebene und Flüchtende.
Egon Wucherpfennig erzählte aus seiner Zeit als DDR-Flüchtling, Maria Böck
wurde einst aus Sudetendeutschland vertrieben: 43 Tage sei sie im völlig
überfüllten Viehwagon ohne hinreichend Wasser und Verpflegung unterwegs
gewesen. Auch Herr Pasternok, der in den 1950er Jahren nach Deutschland
gekommen war, fühlte mit den jungen Flüchtlingen und Asylanten mit: "Es ist
ganz bewundernswert, dass Sie Ihr Leben selbst in die Hand nehmen und alles
hinter sich lassen. Viele von uns verstehen, was Sie gerade durchmachen. Wir
stehen hinter Ihnen."
Bei
nicht wenigen der Schülerinnen und Schüler haben sich Bilder des Grauens ins
Gedächtnis eingebrannt, das Gefühl von Todesangst. Die meisten mussten ihre
Familien und Freunde zurücklassen, etliche haben Familienangehörige, mache
sogar alles und jeden verloren. Doch was
alle gemeinsam haben, ist ihr bemerkenswerter Lebensmut. Die meisten kamen
völlig ohne Deutschkenntnisse ins Land: aus Somalia und Gambia, aus Rumänien,
Tschechien, dem Kosovo und aus Albanien. Einige flüchteten vor Krieg und
Menschenverachtung in Syrien und
Afghanistan. Mittlerweile sind die jungen Leute zwischen fünf und elf Monaten
hier - ihre Deutschkenntnisse beachtlich. Eine Verständigung mit den
Seniorinnen und Senioren im Haus Heimberg war problemlos möglich.
Das
verdanken die Jugendlichen ihrem Engagement, in jeder freien Minute zu üben,
aber auch den beiden VABO-Lehrerinnen Karolina Podlech und Silke Bartholme, die
geduldig mit ihnen büffeln. Außerdem haben die beiden Frauen im Vorfeld reichlich Werbung für das Integrationscafé
gemacht. So kamen nicht, wie zunächst angekündigt, sechs bis acht Schülerinnen
und Schüler sondern stolze 19. Das freute besonders die Organisatorin Brigitte
Schwarz: "Ich bin völlig überwältigt, dass uns so viele junge Menschen besuchen.
Bei uns finden sie Senioren mit viel Zeit und Senioren mit ebenso viel Herz wie
sie selbst es zeigen."
Auch Elke Hunecke, Beauftragte für Schulpastoral, die
die Minderjährigen begleitete, lobte das neue Projekt, zumal nach Schulschluss
viele Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten unter sich blieben. Mit dem
Integrationscafé werde - wie der Name sagt - eine kleine Brücke in Richtung
Integration gebaut, die mit der Zeit deutlich erweitert werden könne. Daran
knüpfte direkt Silvia Müller mit einem Vorschlag an: "Wenn ihr mögt, müssen wir
es nicht bei den Kaffeetreffen belassen. Wer möchte, dem stehen unsere Türen
jederzeit offen: für Treffen, Gespräche, Einkaufstouren oder Vorlesestunden mit
unseren Bewohnern", versprach die Heim- und Pflegedienstleisterin. Dass sie
damit scheinbar den richtigen Nerv getroffen hatte, bewiesen viele strahlende
Gesichter - bei den Heimbewohnern und vor allem bei den jungen Flüchtlingen und
Asylbewerbern. Und alle sind sich einig: Das erste Integrationscafé wird nicht
das letzte bleiben


